Muster-Widerrufsformular — Vorlage und Pflichtangaben für Online-Shops
Veröffentlicht: 16. März 2026
Inhaltsverzeichnis
Was ist das Muster-Widerrufsformular?
Das Muster-Widerrufsformular ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Dokument, das Online-Shop-Betreiber ihren Kunden zur Verfügung stellen müssen. Es ermöglicht Verbrauchern, ihren Widerruf unkompliziert zu erklären. Die gesetzliche Grundlage bildet die Anlage 2 zu Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB.
Für Shop-Betreiber ist das Formular nicht nur eine gesetzliche Pflicht — ein korrekt bereitgestelltes Widerrufsformular kann auch das Vertrauen der Kunden stärken und Abmahnungen vermeiden.
Das gesetzliche Muster-Widerrufsformular
Vorlage nach Anlage 2 EGBGB
Das offizielle Muster-Widerrufsformular laut Anlage 2 zu Art. 246a EGBGB hat folgenden Wortlaut:
Muster-Widerrufsformular
(Wenn Sie den Vertrag widerrufen wollen, dann füllen Sie bitte dieses Formular aus und senden Sie es zurück.)
An [hier ist der Name, die Anschrift und gegebenenfalls die Telefaxnummer und E-Mail-Adresse des Unternehmers durch den Unternehmer einzufügen]:
Hiermit widerrufe(n) ich/wir () den von mir/uns () abgeschlossenen Vertrag über den Kauf der folgenden Waren ()/die Erbringung der folgenden Dienstleistung ()
Bestellt am ()/erhalten am ()
Name des/der Verbraucher(s)
Anschrift des/der Verbraucher(s)
Unterschrift des/der Verbraucher(s) (nur bei Mitteilung auf Papier)
Datum
() Unzutreffendes streichen.*
Pflichtfelder des Formulars
Das gesetzliche Muster enthält folgende Elemente, die nicht entfernt werden dürfen:
| Feld | Zweck |
|---|---|
| Adressat (Name/Anschrift des Unternehmers) | Der Verbraucher muss wissen, an wen der Widerruf zu richten ist |
| Widerrufserklärung | Die ausdrückliche Erklärung des Widerrufs |
| Vertragsgegenstand | Welche Ware oder Dienstleistung betroffen ist |
| Bestell-/Empfangsdatum | Zuordnung zum konkreten Vertrag |
| Name und Anschrift des Verbrauchers | Identifikation des Widerrufenden |
| Datum | Nachweis der Fristwahrung |
Widerrufsformular richtig bereitstellen
Wo muss das Formular verfügbar sein?
Online-Shop-Betreiber sollten das Muster-Widerrufsformular an mehreren Stellen bereitstellen:
- Auf der Website: Als eigenständige Seite (z. B.
/widerrufsformular) oder als Download (PDF). Empfehlenswert ist ein direkter Link im Footer neben Impressum und Datenschutzerklärung - In der Widerrufsbelehrung: Die Widerrufsbelehrung sollte auf das Muster-Widerrufsformular verweisen oder es direkt enthalten
- In der Bestellbestätigung: Gemäß Art. 246a § 4 Abs. 1 EGBGB sollten die Verbraucherinformationen einschließlich des Formulars auf einem dauerhaften Datenträger (E-Mail, PDF) bereitgestellt werden
- In den AGB: Viele Shops integrieren das Formular in die AGB oder verweisen darauf
Digitale Umsetzung
Das Muster-Widerrufsformular kann in verschiedenen Formaten bereitgestellt werden:
- PDF zum Download: Klassische Variante, vom Kunden auszufüllen und per E-Mail oder Post zurückzusenden
- HTML-Formular auf der Website: Interaktives Formular, das der Kunde online ausfüllen und absenden kann — komfortabler für den Nutzer
- E-Mail-Vorlage: Vorgefertigter Text mit Platzhaltern, den der Kunde per E-Mail senden kann
Hinweis: Der Verbraucher ist nicht verpflichtet, das Muster-Widerrufsformular zu verwenden. Der Widerruf kann auch formlos erklärt werden — etwa per E-Mail oder Brief. Das Formular soll es dem Verbraucher lediglich erleichtern.
Widerrufsbelehrung und Widerrufsformular — der Zusammenhang
Widerrufsbelehrung
Die Widerrufsbelehrung informiert den Verbraucher über sein Widerrufsrecht. Sie enthält unter anderem:
- Die Widerrufsfrist (in der Regel 14 Tage gemäß § 356 BGB)
- Die Bedingungen und das Verfahren für den Widerruf
- Den Hinweis auf das Muster-Widerrufsformular
- Die Folgen des Widerrufs (Rückerstattung, Rücksendung)
Folgen einer fehlerhaften Belehrung
Ist die Widerrufsbelehrung fehlerhaft oder fehlt das Muster-Widerrufsformular, hat das weitreichende Konsequenzen:
- Verlängerte Widerrufsfrist: Gemäß § 356 Abs. 3 BGB verlängert sich die Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage, wenn die Belehrung nicht ordnungsgemäß erteilt wurde
- Abmahnrisiko: Mitbewerber oder Verbraucherverbände können wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrungen Abmahnungen aussprechen
- Unwirksamkeit der Frist: Ohne korrekte Belehrung beginnt die Widerrufsfrist möglicherweise gar nicht zu laufen
Häufige Fehler beim Widerrufsformular
1. Formular nicht bereitgestellt
Der häufigste Fehler: Das Muster-Widerrufsformular wird auf der Website gar nicht bereitgestellt. Viele Shop-Betreiber gehen davon aus, dass die Widerrufsbelehrung allein ausreicht. Gemäß Art. 246a § 1 Abs. 2 EGBGB ist jedoch beides erforderlich — die Belehrung und das Formular.
2. Fehlende Kontaktdaten des Unternehmers
Im Formular müssen Name, Anschrift und gegebenenfalls E-Mail-Adresse des Unternehmers eingetragen sein. Ein Formular mit leeren Platzhaltern (“[Name des Unternehmers einfügen]”) erfüllt die Anforderungen möglicherweise nicht.
3. Abweichung vom gesetzlichen Muster
Das gesetzliche Muster darf zwar ergänzt, aber nicht inhaltlich verändert werden. Formulierungen wie “Hiermit beantrage ich den Widerruf” statt “Hiermit widerrufe ich” können problematisch sein, da die gesetzliche Formulierung eine Erklärung und keinen Antrag darstellt.
4. Widerrufsformular nur als physisches Dokument
Ein Widerrufsformular, das nur der Warenlieferung beigelegt wird, erfüllt möglicherweise nicht die Anforderung, das Formular vor Vertragsschluss zur Verfügung zu stellen. Die Online-Bereitstellung ist daher empfehlenswert.
5. DSGVO-Aspekte nicht beachtet
Das Widerrufsformular enthält personenbezogene Daten (Name, Anschrift). Bei einem Online-Formular sollte die Datenverarbeitung in der Datenschutzerklärung beschrieben werden. Die Rechtsgrundlage ist in der Regel Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO (Vertragserfüllung) oder lit. c (rechtliche Verpflichtung).
Ausnahmen vom Widerrufsrecht
Nicht alle Verträge unterliegen dem Widerrufsrecht. Gemäß § 312g Abs. 2 BGB gibt es Ausnahmen, bei denen kein Widerruf möglich ist:
- Individuell angefertigte Waren: Produkte, die nach Kundenspezifikation hergestellt werden
- Schnell verderbliche Waren: Lebensmittel, Blumen
- Versiegelte Waren: Aus Hygiene- oder Gesundheitsschutzgründen versiegelte Produkte, deren Versiegelung nach Lieferung entfernt wurde
- Digitale Inhalte: Wenn mit der Ausführung begonnen wurde und der Verbraucher zugestimmt hat
- Dienstleistungen: Wenn die Dienstleistung vollständig erbracht wurde und der Verbraucher vorher ausdrücklich zugestimmt hat
Auch bei diesen Ausnahmen empfehlen wir, das Muster-Widerrufsformular bereitzustellen und in der Widerrufsbelehrung klar auf die Ausnahme hinzuweisen.
Widerrufsformular und Widerrufsrecht
Das Muster-Widerrufsformular ist ein Bestandteil der Informationspflichten im Fernabsatz. Für eine vollständige Darstellung der Pflichten rund um das Widerrufsrecht — einschließlich Fristen, Rücksendekosten und Erstattung — empfehlen wir unseren ausführlichen Ratgeber zum Widerrufsrecht im Online-Shop.
Wer einen Online-Shop betreibt, sollte auch die weiteren rechtlichen Anforderungen im Blick behalten: AGB-Pflichtinhalte, E-Commerce rechtssicher und die allgemeine DSGVO-Checkliste.
Checkliste: Widerrufsformular korrekt umsetzen
- Muster-Widerrufsformular gemäß Anlage 2 EGBGB auf der Website bereitstellen
- Kontaktdaten des Unternehmers im Formular vollständig eintragen
- Formular in der Bestellbestätigung (E-Mail/PDF) mitliefern
- Widerrufsbelehrung auf das Formular verweisen lassen
- Gesetzliche Formulierungen nicht verändern (nur ergänzen)
- Bei Online-Formular: Datenschutzerklärung um Verarbeitung ergänzen
- Prüfen: Ist das Formular vor Vertragsschluss erreichbar?
- Regelmäßig prüfen: Stimmen die Kontaktdaten im Formular noch?
Häufige Fragen
Wo finde ich das offizielle Muster-Widerrufsformular?
Das offizielle Muster-Widerrufsformular ist in Anlage 2 zu Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB gesetzlich festgelegt. Online-Shop-Betreiber sind verpflichtet, dieses Formular oder ein inhaltlich gleichwertiges Formular dem Verbraucher zur Verfügung zu stellen. Den vollständigen Text finden Sie oben in diesem Artikel.
Kann ich das Muster-Widerrufsformular anpassen?
Das gesetzliche Muster darf inhaltlich ergänzt werden — etwa um ein Feld für die Bestellnummer oder die IBAN für Erstattungen. Die gesetzlichen Pflichtfelder (Widerrufserklärung, Vertragsgegenstand, Daten des Verbrauchers) dürfen jedoch nicht entfernt oder inhaltlich verändert werden. Empfehlenswert ist, das offizielle Muster als Grundlage zu verwenden.
Muss das Widerrufsformular auf der Website bereitgestellt werden?
Ja. Gemäß Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB sind Online-Shop-Betreiber verpflichtet, dem Verbraucher das Muster-Widerrufsformular zur Verfügung zu stellen. In der Praxis geschieht dies als PDF-Download, als HTML-Formular oder als Bestandteil der Bestellbestätigung. Das Formular sollte vor Vertragsschluss erreichbar sein.
Was passiert, wenn das Widerrufsformular fehlt oder fehlerhaft ist?
Fehlt das Formular oder ist die Widerrufsbelehrung fehlerhaft, kann die Widerrufsfrist möglicherweise nicht beginnen. Gemäß § 356 Abs. 3 BGB verlängert sich die Frist in diesem Fall auf bis zu 12 Monate und 14 Tage. Zudem kann ein fehlendes Formular ein Abmahnrisiko darstellen.
Häufige Fragen
Wo finde ich das offizielle Muster-Widerrufsformular?
Kann ich das Muster-Widerrufsformular anpassen?
Muss das Widerrufsformular auf der Website bereitgestellt werden?
Was passiert, wenn das Widerrufsformular fehlt oder fehlerhaft ist?
IT-Berater für Website-Compliance
Über 14 Jahre Erfahrung in IT und Webentwicklung. Entwickler von Web-Prüfer — dem Compliance-Scanner für deutsche Websites.