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E-Commerce rechtssicher — Anforderungen an Online-Shops in Deutschland

Veröffentlicht: 10. März 2026

Inhaltsverzeichnis

Warum rechtssichere Online-Shops wichtig sind

Wer in Deutschland Waren oder Dienstleistungen online verkauft, unterliegt einer Reihe gesetzlicher Anforderungen. Diese betreffen den Bestellprozess, die Preisangabe, Widerrufsrechte und die Information der Verbraucher. Verstöße können zu Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände führen.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Anforderungen, die Online-Shops in Deutschland beachten sollten.

Der Bestellbutton: “Zahlungspflichtig bestellen”

Gesetzliche Grundlage

Gemäß BGB §312j Abs. 3 muss der Bestellbutton in einem Online-Shop so beschriftet sein, dass der Verbraucher eindeutig erkennt, dass die Bestellung eine Zahlungspflicht auslöst.

Zulässige Beschriftungen

Laut Gesetzgeber und Rechtsprechung gelten als zulässig:

  • “Zahlungspflichtig bestellen” (empfohlen)
  • “Kostenpflichtig bestellen”
  • “Kaufen”
  • “Jetzt kaufen”

Unzulässige Beschriftungen

Formulierungen, die die Zahlungspflicht verschleiern, sind nach gängiger Rechtsprechung unzulässig:

  • “Bestellen”
  • “Bestellung abschließen”
  • “Weiter”
  • “Jetzt abonnieren” (bei kostenpflichtigen Abonnements)

Wichtig: Bei unzulässiger Beschriftung kommt gemäß BGB §312j Abs. 4 möglicherweise kein wirksamer Vertrag zustande. Der Verbraucher wäre in diesem Fall nicht zur Zahlung verpflichtet.

Grundpreisangabe (Preisangabenverordnung)

Was die PAngV verlangt

Die Preisangabenverordnung (PAngV) in der Fassung von 2022 regelt, wie Preise im Online-Handel dargestellt werden müssen. Gemäß § 2 PAngV sind Unternehmen verpflichtet, neben dem Gesamtpreis auch den Grundpreis anzugeben, wenn Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft werden.

Wann der Grundpreis angegeben werden muss

  • Lebensmittel: Preis pro Kilogramm oder Liter
  • Kosmetik und Reinigungsmittel: Preis pro 100 ml oder 100 g
  • Lose Waren: Preis pro Mengeneinheit

Beispiel

Olivenöl nativ extra, 750 ml — 8,99 € (11,99 €/Liter)

Ausnahmen

Nicht erforderlich ist die Grundpreisangabe unter anderem bei:

  • Waren, die nach Stück verkauft werden (z. B. ein einzelnes Gerät)
  • Dienstleistungen
  • Waren mit einem Nenngewicht unter 10 g oder 10 ml

Hinweis: Die Grundpreisangabe muss gut sichtbar, unmissverständlich und klar zuordenbar zum Gesamtpreis dargestellt werden.

OS-Plattform (Online-Streitbeilegung)

Aktuelle Situation (Stand März 2026)

Die EU-Verordnung Nr. 524/2013 über die Online-Streitbeilegung (ODR-Verordnung) verpflichtete Online-Händler, die an Verbraucher verkaufen, zur Bereitstellung eines Links auf die OS-Plattform der EU-Kommission.

Hinweis: Die EU-Kommission hat angekündigt, die OS-Plattform einzustellen. Bis zur endgültigen Aufhebung der Verordnung empfiehlt es sich jedoch, den Link weiterhin im Impressum oder in den AGB bereitzuhalten — um möglichen Abmahnungen vorzubeugen.

Der Link lautet: https://ec.europa.eu/consumers/odr

Umsetzung

Der Link zur OS-Plattform sollte:

  • Leicht auffindbar sein (z. B. im Impressum oder in den AGB)
  • Als klickbarer Link dargestellt werden
  • Von einer Erläuterung begleitet sein

Beispieltext:

Die Europäische Kommission stellt eine Plattform zur Online-Streitbeilegung (OS)
bereit: https://ec.europa.eu/consumers/odr
Unsere E-Mail-Adresse: [email protected]

Widerrufsrecht und Widerrufsbelehrung

Gesetzliche Grundlage

Gemäß BGB §312g haben Verbraucher bei Fernabsatzverträgen grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Der Unternehmer ist verpflichtet, den Verbraucher vor Vertragsschluss über dieses Recht zu belehren.

Anforderungen an die Widerrufsbelehrung

  • Muster-Widerrufsbelehrung verwenden (Anlage 1 zu EGBGB Art. 246a §1 Abs. 2)
  • Muster-Widerrufsformular bereitstellen (Anlage 2)
  • Vor Vertragsschluss informieren — idealerweise direkt im Bestellprozess
  • Auf dauerhaftem Datenträger bestätigen — z. B. per E-Mail

Ausnahmen vom Widerrufsrecht

Kein Widerrufsrecht besteht unter anderem bei:

  • Maßanfertigungen und personalisierte Waren
  • Schnell verderbliche Waren
  • Versiegelten Waren, die aus Hygienegründen nicht zurückgegeben werden können
  • Digitale Inhalte, wenn der Verbraucher zugestimmt hat und den Verzicht auf das Widerrufsrecht bestätigt

AGB für Online-Shops

Allgemeine Geschäftsbedingungen sind für Online-Shops in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben, in der Praxis aber dringend empfehlenswert. Sie regeln Vertragsschluss, Lieferbedingungen, Zahlung und Haftung.

Wichtige Inhalte

  • Geltungsbereich und Vertragsschluss
  • Preise und Zahlungsbedingungen
  • Lieferung und Versandkosten
  • Widerrufsrecht (kann auf AGB verweisen)
  • Gewährleistung und Haftung
  • Anwendbares Recht und Gerichtsstand

Empfehlung: AGB sollten von einem Rechtsanwalt erstellt oder geprüft werden. Veraltete oder fehlerhafte AGB sind ein häufiger Abmahngrund.

Checkliste: Rechtssicherer Online-Shop

  1. Bestellbutton korrekt beschriftet — “Zahlungspflichtig bestellen” oder gleichwertig
  2. Grundpreisangabe bei gewichts-/volumenbasierten Produkten — pro kg, Liter, etc.
  3. OS-Plattform-Link im Impressum oder AGB — klickbar, mit E-Mail-Adresse
  4. Widerrufsbelehrung vor Vertragsschluss — Muster-Belehrung und Muster-Formular
  5. AGB aktuell und geprüft
  6. Preisangaben vollständig — Gesamtpreis inkl. MwSt., Versandkosten separat ausgewiesen
  7. Impressum vollständig — Pflichtangaben nach § 5 DDG
  8. Datenschutzerklärung vorhanden — DSGVO-konform
  9. Cookie Banner bei nicht-essentiellen Cookies

Tipp: Mit einem kostenlosen Website-Check können Sie prüfen, ob Ihr Online-Shop die grundlegenden technischen und rechtlichen Anforderungen erfüllt.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Anwalt für meinen Online-Shop?

Für die technische Einrichtung nicht — viele Shop-Systeme (Shopify, WooCommerce, Shopware) bieten rechtlich relevante Funktionen bereits integriert an. Für die individuelle Prüfung der AGB, Widerrufsbelehrung und branchenspezifischen Anforderungen empfiehlt sich jedoch die Beratung durch einen Rechtsanwalt.

Was passiert bei einem fehlerhaften Bestellbutton?

Gemäß BGB §312j Abs. 4 kommt bei fehlerhafter Beschriftung des Bestellbuttons möglicherweise kein wirksamer Vertrag zustande. Der Verbraucher wäre dann nicht zur Zahlung verpflichtet. Zusätzlich können Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände wegen eines Wettbewerbsverstoßes abmahnen.

Gilt die Grundpreisangabe auch für digitale Produkte?

Die Grundpreisangabe nach PAngV betrifft Waren, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft werden. Rein digitale Produkte (Software, E-Books) fallen in der Regel nicht darunter, sofern sie nicht nach Menge bemessen werden.


Weiterführende Artikel:

Häufige Fragen

Wie muss der Bestellbutton in einem Online-Shop beschriftet sein?
Gemäß BGB §312j Abs. 3 muss der Button eindeutig auf die Zahlungspflicht hinweisen. Zulässig sind 'Zahlungspflichtig bestellen', 'Kostenpflichtig bestellen', 'Kaufen' oder 'Jetzt kaufen'. Formulierungen wie 'Bestellen' oder 'Weiter' gelten als unzulässig.
Wann ist die Grundpreisangabe im Online-Shop erforderlich?
Nach [§ 2 PAngV](https://www.gesetze-im-internet.de/pangv_2022/__2.html) ist der Grundpreis anzugeben, wenn Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft werden — etwa Lebensmittel pro Kilogramm oder Kosmetik pro 100 ml. Bei Stückware oder Dienstleistungen entfällt diese Pflicht.
Brauche ich den Link zur OS-Plattform noch im Online-Shop?
Die EU-Kommission hat angekündigt, die OS-Plattform einzustellen. Bis zur endgültigen Aufhebung der Verordnung empfiehlt es sich jedoch, den Link weiterhin im Impressum oder in den AGB bereitzuhalten, um möglichen Abmahnungen vorzubeugen.
Wie lang ist die Widerrufsfrist im Online-Shop?
Gemäß BGB §312g haben Verbraucher bei Fernabsatzverträgen grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Der Unternehmer ist verpflichtet, vor Vertragsschluss über dieses Recht zu belehren und ein Muster-Widerrufsformular bereitzustellen.
Braucht ein Online-Shop AGB?
AGB sind in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben, in der Praxis aber dringend empfehlenswert. Sie regeln Vertragsschluss, Lieferbedingungen, Zahlung und Haftung. Veraltete oder fehlerhafte AGB sind ein häufiger Abmahngrund.

Von Viacheslav Spitsyn

IT-Berater für Website-Compliance

Über 14 Jahre Erfahrung in IT und Webentwicklung. Entwickler von Web-Prüfer — dem Compliance-Scanner für deutsche Websites.

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