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AGB für Online-Shops: Pflichtinhalte und häufige Fehler 2026

Veröffentlicht: 10. März 2026

Inhaltsverzeichnis

AGB im Online-Shop: Warum sie wichtig sind

Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) sind in vielen deutschen Online-Shops gang und gäbe — aber nicht immer korrekt umgesetzt. Fehlende oder fehlerhafte AGB-Klauseln gehören zu den häufigen Gründen für Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wesentlichen Inhalte, die AGB für Online-Shops enthalten sollten — und welche Formulierungen problematisch sein können.

Von Viacheslav Spitsyn · IT-Berater für Website-Compliance

Sind AGB im Online-Shop gesetzlich vorgeschrieben?

Grundsätzlich sind Unternehmen in Deutschland nicht verpflichtet, AGB zu verwenden. Ohne AGB gelten automatisch die gesetzlichen Regelungen des BGB — was in der Praxis für Shopbetreiber oft ungünstiger ist.

AGB ermöglichen es, bestimmte Punkte wie Lieferbedingungen, Eigentumsvorbehalte oder Zahlungsfristen vertraglich zu regeln. Gleichzeitig greift für Verbraucherverträge ein strenger Rahmen: Klauseln, die den Verbraucher unangemessen benachteiligen, sind nach BGB § 307 unwirksam — auch wenn sie in den AGB stehen.

Wichtig: Auch ohne eigene AGB müssen Shopbetreiber bestimmte Informationspflichten gegenüber Verbrauchern erfüllen (EGBGB Art. 246a). Diese sind von den AGB zu unterscheiden.


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Pflichtinhalte: Was AGB für Online-Shops enthalten sollten

1. Geltungsbereich

Für wen und für welche Transaktionen gelten die AGB? Üblich ist die Unterscheidung zwischen Verbrauchern (B2C) und Unternehmen (B2B), da für Verbraucherverträge strengere Regelungen gelten.

2. Vertragsschluss

Wie kommt der Kaufvertrag zustande? In Online-Shops ist die Darstellung eines Produkts im Shop in der Regel noch kein rechtlich bindendes Angebot, sondern eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots durch den Kunden (sog. invitatio ad offerendum).

Der Vertrag kommt typischerweise zustande durch:

  • Bestellbestätigung per E-Mail, oder
  • Versandbestätigung, oder
  • explizite Annahmeerklärung

Die gewählte Variante sollte in den AGB klar benannt sein.

3. Preise und Versandkosten

Die AGB sollten darauf hinweisen, dass:

  • Preise in Euro angegeben sind
  • die gesetzliche Mehrwertsteuer enthalten ist (für B2C-Shops)
  • Versandkosten zusätzlich anfallen und bei Bestellung angezeigt werden

Laut Preisangabenverordnung (PAngV) sind Gesamtpreise inklusive aller Steuern und Abgaben im Shop darzustellen — die AGB können dies ergänzend regeln.

4. Zahlungsbedingungen

Welche Zahlungsmethoden werden akzeptiert? Wann ist die Zahlung fällig? Gibt es Vorauszahlungspflichten?

Hinweis: Nachnahmegebühren oder Bearbeitungszuschläge für bestimmte Zahlungsmethoden können nach UWG §29a möglicherweise unzulässig sein — hier empfiehlt sich eine aktuelle Prüfung.

5. Lieferbedingungen

  • In welche Länder wird geliefert?
  • Welche Lieferzeiten sind üblich?
  • Wann geht die Gefahr auf den Käufer über?

Für B2C-Verträge: Gemäß BGB § 447 geht die Gefahr beim Versendungskauf erst mit Übergabe an den Käufer über — nicht bereits beim Versand. Dies lässt sich in B2B-AGB anders regeln.

6. Eigentumsvorbehalt

Typische Klausel: Die gelieferte Ware bleibt bis zur vollständigen Bezahlung Eigentum des Verkäufers. Ohne diese Regelung verliert der Shopbetreiber das Eigentum an der Ware bereits mit Übergabe.

7. Widerrufsrecht

Verbraucher haben bei Online-Käufen in der Regel ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen (BGB § 355). Die korrekte Widerrufsbelehrung ist eine der wichtigsten Pflichtangaben für B2C-Online-Shops.

Die AGB sollten:

  • Auf das Widerrufsrecht hinweisen
  • Die Frist klar benennen (14 Tage)
  • Erklären, ab wann die Frist läuft (in der Regel ab Erhalt der Ware)
  • Angeben, an wen der Widerruf zu richten ist
  • Das Muster-Widerrufsformular gemäß Anlage 2 EGBGB bereitstellen oder verlinken

Ausnahmen vom Widerrufsrecht (z. B. bei individuell angefertigten Produkten oder digital gelieferten Inhalten nach Nutzungsbeginn) müssen in der Widerrufsbelehrung klar ausgewiesen werden.

8. Gewährleistung

Für Verbraucher gilt die gesetzliche Gewährleistungsfrist von 2 Jahren ab Übergabe (BGB § 438 Abs. 1 Nr. 3). Diese Frist kann in B2C-Verträgen nicht wirksam verkürzt werden.

In B2B-AGB kann eine Verkürzung auf 1 Jahr möglich sein — dies ist im Einzelfall zu prüfen.

9. Haftungsbeschränkung

Shopbetreiber versuchen häufig, die Haftung vertraglich zu begrenzen. Gegenüber Verbrauchern sind solche Klauseln jedoch stark eingeschränkt: Eine Haftungsbegrenzung für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit sowie für Schäden aus der Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit ist nach BGB § 309 Nr. 7 unwirksam.

10. Anwendbares Recht und Gerichtsstand

Für B2C-Verträge gilt in der Regel deutsches Recht und der Gerichtsstand am Wohnsitz des Verbrauchers — eine abweichende Klausel ist gegenüber Verbrauchern meist unwirksam. Für B2B-Verträge können Recht und Gerichtsstand frei vereinbart werden.


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Häufige Abmahnfallen in Online-Shop-AGB

Unwirksame Klauseln, die trotzdem verwendet werden

Einige Klauseln tauchen immer wieder in AGB auf, obwohl sie nach aktueller Rechtsprechung möglicherweise unwirksam sind:

KlauselProblem
”Erfüllungsort ist unser Firmensitz” (B2C)Gegenüber Verbrauchern meist unwirksam
”Wir haften nicht für leichte Fahrlässigkeit”Pauschal unwirksam bei Personenschäden (BGB § 309 Nr. 7)
“Zahlbar sofort ohne Abzug” ohne FälligkeitUnklar formuliert
”Gewährleistung ausgeschlossen” (B2C)Gegenüber Verbrauchern nicht möglich (BGB § 476)
Fehlende oder veraltete WiderrufsbelehrungHäufiger Abmahngrund

AGB, die nicht wirksam einbezogen wurden

AGB gelten nur dann als Vertragsbestandteil, wenn sie wirksam in den Vertrag einbezogen wurden (BGB § 305 Abs. 2). Voraussetzungen:

  1. Der Kunde muss ausdrücklich auf die AGB hingewiesen werden
  2. Der Kunde muss die Möglichkeit haben, die AGB zur Kenntnis zu nehmen (z. B. als Verlinkung im Bestellprozess)
  3. Der Kunde muss mit den AGB einverstanden sein (z. B. durch Checkbox)

Fehlt einer dieser Schritte, können die AGB möglicherweise nicht als Vertragsbestandteil gelten — auch wenn sie gut formuliert sind.

AGB-Generatoren: Praktisch, aber mit Risiken

Es gibt verschiedene Online-Dienste, die AGB für Shops generieren. Diese können als Ausgangspunkt nützlich sein, haben aber Grenzen:

  • Sie kennen Ihren konkreten Shop und Ihre Produktkategorien nicht
  • Ausnahmen vom Widerrufsrecht (z. B. für digitale Inhalte) müssen manuell angepasst werden
  • Die generierten AGB entsprechen möglicherweise nicht immer dem aktuellen Stand der Rechtsprechung
  • Branchenspezifische Besonderheiten (z. B. Lebensmittel, Arzneimittel) werden oft nicht berücksichtigt

Empfehlung: Generierte AGB sollten vor der Veröffentlichung geprüft und an den eigenen Shop angepasst werden.

Checkliste: AGB für Online-Shops

Verwenden Sie diese Checkliste, um die wichtigsten Punkte zu überprüfen:

  • Geltungsbereich definiert (B2C, B2B oder beides)
  • Vertragsschluss klar beschrieben
  • Preise inkl. MwSt. und Hinweis auf Versandkosten
  • Zahlungsmethoden aufgelistet
  • Lieferbedingungen und -zeiten benannt
  • Eigentumsvorbehalt vorhanden
  • Widerrufsbelehrung korrekt und aktuell (inkl. Muster-Formular)
  • Ausnahmen vom Widerrufsrecht korrekt ausgewiesen
  • Gewährleistungsfrist 2 Jahre (B2C)
  • Haftungsbeschränkungen gesetzeskonform formuliert
  • AGB im Bestellprozess verlinkt und per Checkbox bestätigt
  • OS-Link zur Streitbeilegungsplattform vorhanden

Fazit

Gut formulierte AGB schützen Shopbetreiber und schaffen Klarheit für Kunden. Wichtig ist: AGB müssen zum jeweiligen Shop passen, wirksam in den Bestellprozess eingebunden sein und den aktuellen gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Standardtexte aus dem Internet sollten immer auf den eigenen Shop angepasst werden.

Für die vollständige rechtliche Prüfung Ihrer AGB und Ihrer Informationspflichten empfiehlt sich eine Beratung durch einen auf E-Commerce spezialisierten Rechtsanwalt.


Häufige Fragen zu AGB im Online-Shop

Muss ich als Shopbetreiber AGB haben? Nein, AGB sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ohne AGB gelten die allgemeinen gesetzlichen Regelungen des BGB — was für Shopbetreiber in vielen Punkten ungünstiger sein kann. Informationspflichten gegenüber Verbrauchern (EGBGB Art. 246a) müssen unabhängig von AGB erfüllt werden.

Kann ich AGB aus dem Internet einfach kopieren? Das ist aus zwei Gründen problematisch: Zum einen können kopierte AGB urheberrechtlich geschützt sein (UrhG § 14). Zum anderen passen Standardtexte möglicherweise nicht zu Ihrem konkreten Shop — fehlende oder falsch formulierte Klauseln können zu Abmahnungen führen.

Wie oft sollte ich meine AGB aktualisieren? Empfehlenswert ist eine Überprüfung mindestens einmal jährlich sowie bei relevanten Gesetzesänderungen oder neuen BGH-Urteilen zum Vertragsrecht. Änderungen an bestehenden AGB gelten gegenüber bestehenden Kunden in der Regel nur mit deren Zustimmung.

Was ist der Unterschied zwischen AGB und Widerrufsbelehrung? Die Widerrufsbelehrung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Information (kein Vertragsbestandteil), die Verbrauchern ihr Widerrufsrecht erklärt. Sie kann Teil der AGB sein, muss aber bestimmten gesetzlichen Anforderungen entsprechen (Muster in Anlage 1 EGBGB).

Weiterführende Artikel:

Häufige Fragen

Sind AGB für einen Online-Shop gesetzlich vorgeschrieben?
Nein, AGB sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ohne AGB gelten die allgemeinen Regelungen des BGB, was für Shopbetreiber in vielen Punkten ungünstiger sein kann. Informationspflichten gegenüber Verbrauchern nach EGBGB Art. 246a gelten unabhängig von AGB.
Welche Klauseln in Online-Shop-AGB sind häufig unwirksam?
Häufig unwirksam sind pauschale Haftungsausschlüsse bei Personenschäden, Gewährleistungsausschlüsse gegenüber Verbrauchern und die Festlegung des Gerichtsstands am Firmensitz für B2C-Verträge. Solche Klauseln können möglicherweise zu einer Abmahnung führen.
Wie binde ich AGB korrekt in den Bestellprozess ein?
AGB gelten nur, wenn der Kunde ausdrücklich auf sie hingewiesen wird, die Möglichkeit hat, sie zur Kenntnis zu nehmen (z. B. per Verlinkung), und ihnen zustimmt (z. B. per Checkbox). Fehlt einer dieser Schritte, können die AGB möglicherweise nicht als Vertragsbestandteil gelten.
Wie lang ist das Widerrufsrecht im Online-Shop?
Verbraucher haben bei Online-Käufen in der Regel ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen ab Erhalt der Ware. Die korrekte Widerrufsbelehrung einschließlich des Muster-Widerrufsformulars gehört zu den wichtigsten Pflichtangaben für B2C-Shops.

Von Viacheslav Spitsyn

IT-Berater für Website-Compliance

Über 14 Jahre Erfahrung in IT und Webentwicklung. Entwickler von Web-Prüfer — dem Compliance-Scanner für deutsche Websites.

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